Die Hafenstadt Liepāja befindet sich im Westen Lettlands an der Ostseeküste und gehört zu den beliebtesten Ferienorten des Landes. Zahlreiche Menschen verbringen ihre freien Tage in den Sommermonaten am kilometerlangen Sandstrand, der mit der Blauen Flagge ausgezeichnet wurde. Mit seiner hervorragenden Wasserqualität genießt er bei Einheimischen und Touristen einen sehr guten Ruf. Nicht nur Badefreunde fühlen sich an diesem Küstenabschnitt wohl. Schließlich gibt es auch ein breites Angebot an sportlichen Aktivitäten, die für den Strand von Liepāja sprechen. Der Tennisplatz wird in den wärmeren Jahreszeiten häufig in Anspruch genommen. Eine Partie Minigolf ist ein echtes Vergnügen für die ganze Familie. In den Abendstunden sieht man viele Jogger, die ihre Runden unmittelbar am Strand laufen und auf diese Weise ihre Körper in Schwung halten. Im Laufe der Jahre wurde eine Vielzahl an Hotels und Pensionen errichtet. Diese Investition hat sich in Bezug auf den Tourismus mit Sicherheit ausgezahlt.
Das Olympische Zentrum Liepāja ist der Austragungsort von Veranstaltungen aus den Bereichen Sport und Kultur. Die Verantwortlichen hatten bei der Umsetzung dieser Idee ein glückliches Händchen für die Planung. Auf diese Weise gelang es ihnen, eine Trennung der beiden Bereiche durchzusetzen. Eine Sportveranstaltung kann deshalb zum gleichen Zeitpunkt wie ein kulturelles Event stattfinden, und es gibt keine Schwierigkeiten hinsichtlich der Terminplanung. Die Räumlichkeiten des Zentrums befinden sich auf einer Fläche von 18.000 m2. Es gibt insgesamt fünf Etagen sowie eine Reihe von Parkplätzen für die Besucher. Die moderne Ausstattung ist mit Sicherheit ein Pluspunkt, der für die Sportgeräte und die technischen Anlagen spricht. Sportskanonen und Kulturliebhaber äußern sich immer wieder begeistert über das breite Angebot, welches ihnen im Olympischen Zentrum Liepāja zur Verfügung steht.
Gotteshäuser prägen das Stadtbild von Liepāja und gehören zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten der Ortschaft. Die Dreifaltigkeitskirche wurde im Jahr 1758 geweiht. Dabei handelt es sich um eine evangelisch-lutherische Bischofskirche, die in architektonischer Hinsicht vom Stil des Barock dominiert wird. Allerdings sind auch Elemente des Klassizismus deutlich zu erkennen. Der Stil des Rokoko ist charakteristisch für den Innenraum, der über mehrere Goldverzierungen verfügt. Die aufwändige Holzschnitzerei stellt die Optik der Kirchenbänke in den Vordergrund. Der 55 m hohe Turm erreichte seine aktuelle Höhe bei der Restaurierung in den Jahren 1865 und 1866. Die Orgel der Dreifaltigkeitskirche ist die älteste mechanische Orgel von Lettland. Dieses Bauwerk fungiert seit Jahren als Austragungsort von klassischen Konzerten und ist bei Liebhabern von musikalischen Klängen sehr beliebt.
Die neuromanische Kathedrale St. Josef weist sichtbare Unterschiede zur Dreifaltigkeitskirche auf, ist aber dennoch ein äußerst reizvolles Bauwerk. Die Ernennung zur Kathedrale erfolgte 1937, als das Bistum Liepāja errichtet wurde. Die gelbliche Farbe des Danziger Ziegels und der Reichtum an Schmuckelementen sind die Merkmale des Erscheinungsbildes dieses Gotteshauses, welches nach einem Entwurf von Louis Melville erbaut wurde. Der basilikale Grundriss hat Abweichungen vom bekannten Schema. Das Langhaus besteht aus drei Schiffen. Im Süddteil fließt er in die Rundapsis und den Chor. Das Querhaus ist in der Umgebung der Portalfassade zu sehen. Die Marienkapelle befindet sich am östlichen Arm, und am Westarm steht der atemberaubende Hauptturm einschließlich des quadratischen Unterbaus sowie dem Obergeschoss, das eine oktogonale Form hat. Daneben sieht man vier kleinere Türme. Zu den Höhepunkten der Innenausstattung gehören die neuromanischen Wandmalereien, Buntglasfenster und Altäre.
Das historische Militärgefängnis befindet sich im Stadtteil Karosta, der in der Vergangenheit die Funktion des Kriegshafens der Sowjetunion und des Russischen Reiches erfüllte. Im Laufe der Jahre wurden in den Räumlichkeiten des Gefängnisses ein Museum und eine Herberge untergebracht. Sämtliche Räume befinden sich im ursprünglichen Zustand bzw. werden Renovierungsarbeiten unterzogen.
Wer gern eine ganz besondere Städtereise in das Baltikum unternehmen möchte, der sollte über einen Urlaub in der estnischen Hauptstadt Tallinn nachdenken. Denn nicht nur punktet die Stadt durch ihre Lage am Finnischen Meerbusen an der Ostsee. Auch kulturell hat die Stadt mit über 400.000 Einwohnern eine ganze Menge zu bieten: Sie ist der Standort einiger über die estnischen Landesgrenzen hinaus bekannten Theater, beherbergt einige der wichtigsten Museen des Baltikums, eine bedeutende Kathedrale sowie einige tolle Kirchen, Überreste einer Burg und sogar ein berühmtes Schloss. Wer sich im Detail über das kulturelle Angebot der Partnerstadt von Kiel und Schwerin informieren möchte, findet gut recherchierte Informationen in den Reisführern von Marco Polo, Lonely Planet und auf der offiziellen Internetseite des Tallinner Tourismusbüros www.tourism.tallinn.ee/ger.
Zu den berühmtesten Theatern in Tallinn zählt das sogenannte Tallina Linnatheater, das in einem sehenswerten mittelalterlichen Gemäuer untergebracht ist und auch über eine Außenbühne verfügt. Auch die Nationaloper Estonia ist, wie nicht anders zu erwarten, in der estnischen Hauptstadt angesiedelt. Ebenfalls einen Besuch wert – vor allem natürlich für Sprachenlerner – sind das Estnische Schauspielhaus und das Estnische Russische Theater. Wer mit der estnischen Sprache noch fremdelt und sich lieber ganz auf das Sehen und Staunen konzentrieren möchte, der ist in einem der zahlreichen Museen in Tallin am richtigen Ort. Dazu zählt in erster Linie das größte Kunstmuseum des Baltikums, nämlich das Estnische Kunstmuseum. Seine Schätze befinden sich teilweise im Schloss Kadriorg. Neben Kunst der Moderne und Arbeiten aus dem Bereich der neueren Architektur finden sich hier auch Gemälde aus Estland, die teilweise bis zurück auf das beginnende achtzehnte Jahrhundert datieren. 2008 wurde das Museum mit dem Titel als Europäisches Museum des Jahres geehrt. Beliebte Museen, die dem Œuvre einzelner Künstler gewidmet sind, sind das Kristjan-Raud-Hausmuseum und das Adamson-Eric-Museum. Einen Schwerpunkt auf russische Malerei der vergangenen vier Jahrhunderte setzt das Kadriorg-Kunstmuseum.
Für alle Besucher, die sich weniger für Malerei und Literatur als vielmehr für Architektur und Geschichte interessieren, bieten sich in Tallinn diverse Ausflugsziele für einen Besuch an. Allen voran sollten Historienfreunde es nicht vermissen, die Stadtmauer zu besuchen. Ihr Bau wurde bereits im 13. Jahrhundert begonnen. Zu dem Teil der Mauer, der noch heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist, gehören die drei Türme Kuldjala, Sauna und Nunna, die bestiegen werden können und den Blick auf ein Ziegelmeer freigeben. Auch die Besichtigung eines Kanonenturms wie des Kiek in de Kök sollte beim Bummel durch die Altstadt nicht fehlen. Ein prächtiges Beispiel spätgotischer Sakralarchitektur stellt hingegen die St.-Nikolai-Kirche dar. Sie ist allerdings nur eine von einer ganzen Reihe sehenswerter Kirchen der Stadt. Ebenfalls gern besucht wird die Olaikirche, deren Turm Besucher noch heute besteigen können, um den Blick über die Stadt zu genießen. Von 1549 bis 1625 galt diese Kirche dank ihres Turmes sogar als das höchste Gebäude der Welt. Auch die Heiliggeistkirche mit ihrem spätmittelalterlichen Flügelaltar von Bernt Notke ist einen Besuch wert. Wer hingegen von Burgen fasziniert ist, hat in Tallinn die Chance, die Überreste der Burg auf dem Domberg aufzusuchen: zwei Mauern sowie drei Türme von beachtlichen Maßen. In der direkten Nachbarschaft sehen Touristen das Tallinner Schloss, das einst für die russische Zarin Katharina II. errichtet worden war. Als besonders wichtig für alle, die gern mehr über die Geschichte Estlands erfahren möchten, zeigt sich auch ein Besuch der berühmten Alexander-Newski-Kathedrale. Sie gilt als das Sinnbild der Russifizierung von Estland. Auffallend schön anzuschauen sind ihre Zwiebeltürme, die nicht nur von der Präsenz russischer Politik in Estland in der Vergangenheit künden, sondern auch von der Bereicherung der estnischen Architektur durch russische Elemente.
Am westlichen Rand der estnischen Stadt Tallinn, direkt an der Ostsee befindet sich das Freilichtmuseum Rocca al Mare. Dieses Open-Air Museum ist ein echtes Highlight auf jeder Estlandreise und sollte auf jeden Fall auf dem Besichtigungsplan stehen. Wer hier einen Ausflugstag verbringt, fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt und erhält einen umfassenden Einblick in estnische Traditionen.
Etwa 15 Minuten vom Stadtzentrum von Tallinn liegt das Freilichtmuseum Rocca al Mare. Auf einem bewaldeten Gelände direkt an Ostsee können die Besucher die größte Sammlung estnischer Architektur aus dem 18. Bis 20. Jahrhundert besichtigen. Der Name des Museums lässt jedoch eher auf einen Ort in Italien denken, als an ein estnisches Museum. Im Jahr 1863 ließ der damalige Bürgermeister von Tallinn auf dem heutigen Gelände des Freilichtmuseums sein Sommerhaus errichten. Das Gelände benannte der Italienfreund nach einem, der Küste vorgelagerten Felsen. Ab 1950 wurden auf diesem Gelände nach und nach Fischerhäuser, Bauernkaten, Gutshöfe, Windmühlen sowie Alltagsgegenstände aus der estnischen Vergangenheit zusammengetragen. Heute befinden sich 72 alte Dorfanlagen auf dem Museumsgelände und geben einen umfassenden Überblich über die estnische Architektur und Traditionen des 18. bis 20. Jahrhunderts. Das Museum wurde 1964 eröffnet und ist seitdem ein Anziehungspunkt und Highlight für Estlandreisende. Das Museumsgelände ist in vier Zonen aufgeteilt, welche einen Einblick in die Architektur und das bäuerliche Leben Nordestlands, Westestlands, Südestlands und der zu Estland gehörenden Ostseeinseln geben.
Die Zone Westestlands befindet sich gleich am Parkeingang. Hier stehen die typischen Gebäude unterschiedlicher Bevölkerungsschichten aus dieser Region. Vom Gutshof bis hin zur ärmlichen Kate von Bauern ohne Landbesitz erhält der Besucher schon in dieser ersten Parkzone nicht nur einen Überblick über das Leben in vergangenen Zeiten. Wer durch die historischen Dorfanlagen schlendert, taucht in die Vergangenheit Estlands ein, denn alle Gebäude können betreten werden und sind ausgestattet mit den typischen Alltagsgegenständen ihrer Zeit.
Die nordestnische Architektur aus historischen Zeiten ist geprägt durch Gebäude aus Kalksandstein. Kalksandstein war das vor Ort vorkommende natürliche Baumaterial. In der nordestnischen Zone von Rocca al Mare sind die Schmiede aus dem 19. Jahrhundert sowie der Hof von Kutsari besonders typische Baudenkmäler. Auch eine historische Sauna gehört zum Ausstellungsprogramm der nordestnischen Zone. Seit je her war die Sauna in Estland von großer Bedeutung. Saunagebäude wurden früher nicht nur zum Saunieren genutzt, sondern dienten vielerlei Zwecken. Hier wurden in früheren Zeiten auch die kranken Dorfbewohner gepflegt oder auch Kinder geboren. Teilweise wurde sogar das Fleisch im Saunagebäude des Dorfes geräuchert.
In diesen beiden Museumszonen befinden sich die ältesten Gebäude der Ausstellung. Die Kapelle von Sutlepa gehört zu den ältesten Holzkirchen Estlands und beeindruckt die Besucher vor allem durch die zinngefassten bunten Fenster. Wer möchte, kann hier sogar heiraten. Im alten Hof von Roosta werden als besondere Attraktion Aufbewahrungsbehälter für Bier gezeigt. Das Bierbrauen hat in Estland eine lange Tradition, die bis heute erhalten blieb.
In Rocca al Mare finden regelmäßig besondere Events statt. Dazu gehören historische Märkte, Partys und Tanzveranstaltungen. Als besondere Attraktion und in Ergänzung zum Einblick in die Architektur und Alltagsgegenstände der estnischen Vergangenheit, können die Besucher im klassizistischen Wirtshaus des Freilichtmuseums landestypische Speisen und Getränke genießen. Das Freilichtmuseum Rocca al Mare ist ganzjährig geöffnet und bietet sich für Estlandreisende als Ausflugsziel zu jeder Jahreszeit an.
Wer in das baltische Land Estland reist, der wird mit recht hoher Wahrscheinlichkeit die Hauptstadt Tallinn besuchen. Doch jedem, der gern Städtereisen unternimmt, sei darüber hinaus auch ein Besuch der Stadt Tartu ans Herz gelegt. Denn obwohl Tartu kleiner ist als Tallin, überzeugt es doch mit seinem ganz eigenen Charme und hat, vor allem in der Innenstadt, eine Vielzahl an kulturellen Höhepunkten zu bieten. Und auch sportlich gesehen ist Tartu eine Reise wert: Der jährliche Tartu-Skimarathon zieht immer wieder zahlreiche Touristen an. Zudem sind in der Stadt zwei Eishockey-Vereine und Erstligamannschaften aus dem Fußball und dem Rugby beheimatet. Im Jahr 2005 erlangte Tartu sogar weltweite Aufmerksamkeit, indem es als Gastgeber der internationalen Hansetage fungierte.
Die Stadt am Fluss Embach, in der mehr als 100.000 Menschen leben, blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bereits im Jahr 1030 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Relikte aus vergangenen Zeiten finden sich vor allem in der Altstadt von Tartu. Allein die Architektur vieler der Gebäude weckt die Fantasie so mancher Geschichtsinteressierter und versetzt die Besucher zurück in das Baltikum ehemaliger Jahrhunderte. Als besonders nett anzusehen gelten der Rathausplatz mitsamt Rathaus, das Universitätsgebäude, das im Stil des Klassizismus errichtet wurde, und die nahe gelegenen Einkaufsstraßen. Besonders beeindruckend zeigt sich auch der Dom zu Tartu, der teilweise nur noch als Ruine erhalten ist. Der Chor des mittelalterlichen Sakralbaus diente zwischenzeitlich als Gelehrtenbibliothek. In unmittelbarer Nachbarschaft des Doms befinden sich zudem einige Gebäude der städtischen Universität, unter anderem das sogenannte anatomische Theater, in dem bis Mitte der Neunzigerjahre tatsächlich noch anatomische Vorlesungen zu hören waren, und das Observatorium, das als Teil des Struve-Bogens dem UNESCO-Weltkulturerbe zugerechnet wird.
Die Partnerstadt von Lüneburg glänzt jedoch nicht nur mit geschichtsträchtiger Architektur. Auch in Sachen Kunst und Museen hat sie einiges zu bieten. Letztere eröffnen Besuchern erstaunliche Einblicke in das Volkskulturerbe und die Kunstschätze von Tartu, das übrigens auch als die „Stadt der guten Gedanken“ bekannt ist. So finden sich denn auch hier und da harmonisch in das Stadtbild integrierte Skulpturen wie etwa die sogenannten küssenden Studenten in der Mitte eines innerstädtischen Brunnens. Wer nicht nur schöne Werke betrachten, sondern auch einiges über sie lernen möchte, der ist hingegen im Kunstmuseum an der richtigen Adresse. Von der leicht geneigten Fassade sollten sich Besucher nicht irritieren lassen: Das Gebäude ist zwar einseitig abgesunken, wurde aber längst fachmännisch stabilisiert. Die Johanniskirche, die zahlreiche Terrakotta-Skulpturen beherbergt und im zweiten Weltkrieg massiv beschädigt wurde, ist bis 2005 vollständig restauriert worden und heute wieder für jedermann zugänglich. Der Geschichte der Stadt widmen sich sogar mehrere Museen. Sie lehren die Besucher alles Wissenswerte über die Entwicklung Tartus: vom Mittelalter über die Zeit der Russifizierung bis hin zur Einrichtung von Gefangenenlagern der Russen für deutsche Kriegsgefangene des zweiten Weltkriegs.
Auch als Universitätsstadt nimmt Tartu einen Sonderstatus in Estland ein: Seine Universität ist nicht nur die einzige Volluniversität des Landes, sondern zudem auch die älteste Universität im Staat. Vor allem für die jüngeren Besucher der Stadt dürfte es von Interesse sein, dass Tartu sich durchaus als jugendlicher Ort versteht. Immerhin handelt es sich, gemessen an der Anzahl der Studenten, um die größte Studentenstadt Estlands! Neben der Universität verfügt die Stadt auch über eine Wirtschaftshochschule, eine Kunstschule, eine Schule mit zahlreichen Kontakten in deutschen Sprachraum und sogar ein Waldorf-Gymnasium. Doch trotz der vielen zukunftsorientierten Bildungseinrichtungen und einigen modernen Bürogebäuden hat sich Tartu auch den Charme als grüne, erholsame Stadt erhalten. Nicht nur für Studenten öffnet beispielsweise der Botanische Garten der Universität. Der Barclay-Park und der Domberg zählen ebenfalls zu den bekanntesten Grünflächen der Stadt.
Die Ostseeinsel Saaremaa zählt zu den vier größten Inseln dieses Gewässers und liegt vor der Westküste Estlands im Norden des Golfs von Riga. Die insgesamt flache Insel ist dünn besiedelt und weist eine reiche Artenvielfalt an Flora und Fauna auf, die neben der gastfreundlichen, offenen Art der Inselbewohner viel zum Charme Saaremaas beiträgt. Charakteristisch für Saaremaa ist die gelungene Komposition aus lichten Wäldern und kristallklaren Seen.
Saaremaa stellt die größte Insel Estlands dar und hat eine Ausdehnung von 88 Kilometern in der Nord-Süd-Richtung und 90 Kilometern in der West-Ost-Richtung. Saaremaa ist recht flach, die höchste Erhebung, der Viidu Raunamägi, weist 54 m auf. Der Strand ist üblicherweise ebenso flach, man findet jedoch zwei imposante Steilküsten.Die Insel verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz, jedoch ist als Straßenbelag überwiegend Kies anzutreffen, es gibt nur wenige asphaltierte Straßen. Dennoch ist die Verkehrsanbindung gut. In der Nähe der Hauptstadt Kuressare befindet sich ein Flughafen, der regelmäßige Flugverbindungen unter anderem nach Riga, Stockholm und Helsinki unterhält. Des Weiteren existieren Busverbindungen über eine Fähre in die ungefähr 150 Kilometer entfernte Hauptstadt Estlands, Tallin. Der Landkreis Saare, dem die Insel angehört, gliedert sich in 15 Gemeinden und eine Stadt. Er umfasst neben Saaremaa auch noch die umliegenden kleineren Inseln.
Die größte Stadt der Insel ist Kuressaare mit rund 16.000 Einwohnern. Sie liegt im Süden der Insel an einer breiten Bucht. Kuressaare kann auf eine ausgesprochen interessante Geschichte zurückblicken und weist daher eine reiche Auswahl an einzigartigen sakralen und profanen Sehenswürdigkeiten auf. Die Bischofsburg zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Burgen des Baltikums. Auch das Rathaus, welches das größte Deckengemälde Estlands aufweist, ist besuchenswert. Das Stadtbild ist geprägt von prächtigen Villen aus dem 17. Und 18. Jahrhundert. Die Stadt bietet hinsichtlich Kunst und Kultur ein reiches Programm, es werden beispielsweise Kammermusik- und Opernfestspiele veranstaltet.
Auf Saaremaa konnte sich aufgrund der dünnen Besiedlung und günstigen klimatischen Bedingungen eine besondere Artenvielfalt entwickeln. Allein 35 Orchideenarten leben auf der Insel, deren Landschaftsbild von Wald und Wasser bestimmt wird. Etwa 40 % der Insel sind bewaldet, man trifft hier auch Laubwälder an. Zu den größeren Seen zählt die Suur Laht, die Mullutu Laht und der Karujärv. Ständige Bewohner der Insel sind viele der heimischen Robbenarten, andere benutzen Saaremaa nur als Durchgangsquartier, wie die Ringelgänse und Eiderenten, die auf ihrem Vogelzug die Insel besuchen. Viele Teile der Insel und der benachbarten Inseln stehen unter Naturschutz.
Interessant ist die Tatsache, dass Saaremaa immer noch an Höhe gewinnt. Die flache Insel, deren durchschnittliche Höhe etwa 15 m beträgt, war in der letzten Eiszeit von gewaltigen Eismassen bedeckt, die die Erdkruste unter der Insel mit sehr hohem Druck belasteten und dadurch senkten. Nach dem Abschmelzen des Eises begannen sich die Landmassen, befreit von dem enormen Druck, wieder zu heben. Dieser erdgeschichtliche Vorgang dauert bis in die Gegenwart an, auch heute noch hebt sich die Insel jährlich um rund 2 mm.
Unweit der Hauptstadt findet man in einem Wäldchen bei Kaali einen imposanten Krater, der von einem 16 m hohen Erdwall umgeben ist. Der Krater hat einen Durchmesser von 110 m und weist in seiner Mitte einen grünlich schimmernden Tümpel auf. In der Umgebung befinden sich weitere acht Nebenkrater, die jedoch nicht so gigantische Ausmaße aufweisen. Man datiert den Meteoriteneinschlag auf eine Zeit vor etwa 4000 Jahren. Durch den gewaltigen Einschlag wurden die Dolomitfelsen in skurril anmutender Form schräg aufgeworfen. Erst im vergangenen Jahrhundert wurde zweifelsfrei nachgewiesen, dass ein Meteoriteneinschlag diesen Krater verursacht hat. Der Meteorit zerbrach offenbar vor dem Einschlag in mehrere Fragmente, so sind die Nebenkrater zu erklären.
Seit dem Beitritt Estlands in die Europäische Union im Jahr 2004 bieten Reiseveranstalter wie Nehrung Reisen vermehrt Ferienprogramme in dem kleinen baltischen Land an. Zu den beliebtesten Urlaubszielen vor allem im Sommer zählt das Ostseebad Pärnu, das auch den Beinamen “Sommerhauptstadt Estlands” trägt. Der gleichnamige Fluss mündet in dem 45.000 Einwohner zählenden Ort ins Meer. Verschiedene feine Sandstränden locken alljährlich zahlreiche Badegäste vor allem aus Estland, Schweden, Deutschland und Finnland in das schöne Pärnu. Sobald die Übernachtungsmöglichkeit gebucht ist, kann die Entdeckungstour durch Pärnu losgehen. Ein übersichtliches Angebot der Unterkünfte finden Interessierte beispielsweise auf der Internetseite www.estlandia.de.
Neben den beliebten Traumstränden hat Pärnu außerdem viele sonnige Tage und ein lebendiges Nachtleben zu bieten. So bildet die Stadt den perfekten Rahmen für heiße Sommertage und laue, lange Sommernächte. Pärnu selbst verfügt über einen gut drei Kilometer langen Badestrand, der gesamte Landkreis insgesamt über 250 Kilometer Küstenlinie. Die romantischen Privatstrände und beliebten öffentlichen Strände mit weißem Sand werden von urwüchsigen Pinienwäldern eingerahmt.
Schon 1838 wurde in Pärnu das erste Kurbad eröffnet, was die Stadt schon früh zum Seebad machte. Die mondäne Strandpromenade lädt zum Flanieren ein, ebenso der “Rannapark”: Der historische Park in Strandnähe ist mit seinen zahlreichen Springbrunnen und Wasserfällen ein Paradies für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Weitere Spielplätze sowie gemütliche Geschäfte, Restaurants, Cafés, Bars und Nachtklubs sind alle in Strandnähe zu finden. Neben Schwimmen, Planschen und Sonnenbaden gehören Wassersportarten wie Segeln, Wasserski- und Jetski-Fahren zu den beliebten Freizeitangeboten am Strand der Sommerhauptstadt. Der Fluss Pärnu lädt zu idyllischen Kanutouren ein, die bis aufs offene Meer zu einer der 177 der Küste vorgelagerten Inseln führen können.
Nostalgische Holzvillen, luxuriöse Häuser im Seebad-Stil, mittelalterliche Bauwerke, Barock- und Jugenstilgebäude machen neben moderner Architektur aus Stahl und Glas die reizvolle Abwechslung des Stadtbildes aus. Die Altstadt der im Jahre 1250 gegründeten Stadt ist in vielen Bereichen autofrei, was eine besonders ruhige und ungestörte Urlaubsatmosphäre erzeugt. Über eine der Brücken im Hafenbereich können Besucher stilvoll in die Altstadt gelangen. Das Rathaus, das Elemente des Jugendstil und des Klassizismus in sich vereint, und die barocke Katharinakirche aus dem Jahr 1768 zählen zu den Sehenswürdigkeiten der Altstadt.
Die beliebte Rüütli, die Ritterstraße, bildet als lebendige Einkaufsstraße das Herzstück des historischen Zentrums. In einladenden kleinen Restaurants und Cafés können sich Besucher stärken. Ein Muss ist auch die prachtvolle Jugenstilvilla Villa Ammende, die zu den schönsten Estlands zählt und deren Restaurant über eine ausgezeichnete Küche verfügt. Auch das Talliner Tor, teilweise auch Königstor genannt, gehört zu den Wahrzeichen von Pärnu: Das gut erhaltene barocke Tor ist Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung und zeigte ursprünglich den Beginn des Postwegs an.
Der Rote Turm bildete den Eckpunkt der mittelalterlichen Stadtmauer. In seinem früheren Hof finden heute häufig Kunsthandwerkermärkte statt. Wer sich gerne Kunst ansieht, wird sich auch im Museum für Moderne Kunst wohlfühlen, das unter anderem Werke von Picasso, Yoko Ono und Rustin beherbergt. Eine weitere wichtige Institution des kulturellen Angebots bildet das historische Schauspielhaus. Die barocke Elisabethkirche aus dem Jahr 1747 ist mittlerweile ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte aller Art. Zudem werden in Pärnu jedes Jahr zahlreiche Kunst- und Musikfestivals veranstaltet. Das aktuelle Programm erhalten Besucher in einem der Besucher- und Touristeninformationszentren.
Neben den kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten hat die Stadt auch ein umfassendes Wellness-Programm zu bieten. Im südlichen Teil der Stadt befinden sich zahlreiche Kurbetriebe, Wellness-Hotels, das Moorbad und ein Sanatorium. Viele familienfreundliche Hotels bieten Kinderbetreuungsmöglichkeiten an, sodass Mama und Papa in Ruhe Ölmassagen, Perlenbäder, Schokoladenmasken und traditionelle Schlammbehandlungen genießen können. Spaziergänge am Strand, durch die gemütliche Altstadt und die schöne Umgebung ergänzen den Wohlfühl-Urlaub in Pärnu,der Sommerhauptstadt Estlands.
Der Eurovision Song Contest ist für die estnische Musikszene von großer Bedeutung. Immerhin hat er mehreren Künstlern aus diesem Land zu einem gewissen Bekanntheitsgrad in Europa verholfen. Die erste Teilnahme sollte nach dem Erreichen der Unabhängigkeit im Jahr 1993 stattfinden. Damals gab es in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana eine Vorentscheidung zwischen mehreren osteuropäischen Ländern. Die estnische Teilnehmerin Janika Sillamaa scheiterte jedoch in der Qualifikation. Ein Jahr später schickte Estland die Sängerin Silvi Vrait mit dem Titel „Nagu merelaine“ zum Wettbewerb nach Dublin. Leider reichte es nur für den vorletzten Platz. Aus diesem Grund mussten die Esten 1995 eine Zwangspause einlegen.
1996 ging ein sehr ungewöhnliches Duo für Estland ins Rennen. Die damals erst 15-jährige Maarja-Liis Ilus sang zusammen mit dem erfahrenen Rocksänger Ivo Linna das Duett „Kaelakee hääl“ und eroberte auf diese Weise die Herzen der Zuschauer. Mit insgesamt 94 Punkten erreichte das einzigartige Duett einen tollen 5. Rang und bescherte Estland zum ersten Mal eine Platzierung unter den besten Liedern Europas. Die Verantwortlichen des estnischen Fernsehens waren sehr zufrieden mit der Leistung des Teenagers und engagierten das junge Mädchen für eine weitere Teilnehme im nachfolgenden Jahr. Beim Song Contest 1997 landete Maarja-Liis mit „Keelatud Maa“ am Ende auf dem 8. Platz. Zehn Jahre später trat sie noch ein weiteres Mal in diesem Wettbewerb in Erscheinung, als sie den Vorentscheid in ihrer Heimat moderierte. Sie gehört immer noch zu den beliebtesten Sängerinnen Estlands und hat im Laufe der Jahre mehrere Studioalben veröffentlicht. 2002 feierte sie ihr Debüt in der Sparte Musical, als sie eine Rolle in „Miss Saigon“ ergattern konnte. Seit 2004 ist sie für das Jazzprojekt Hinkus tätig.
Ines lautet der Künstlername von Eda-Ines Etti, die 1981 an der estnischen Westküste das Licht der Welt erblickte. Sie gewann den ersten Eurolaul des neuen Jahrtausends und vertrat ihr Heimatland anschließend beim Wettbewerb in Stockholm. Die attraktive junge Frau mit dem Cowboyhut zeigte den begeisterten Zuschauern, dass sie weitaus mehr konnte als nur hübsch auszusehen. Mit dem Titel „Once in a Lifetime“ ersang sich Ines die Gunst der Hörer und erreichte einen sehr guten 4. Rang, der bis dahin das beste Ergebnis eines estnischen Interpreten beim Song Contest war. Anschließend versuchte sie drei weitere Male ihr Glück beim estnischen Vorentsched, zog dabei allerdings immer gegen andere Teilnehmer den Kürzeren. In den Jahren 2005 und 2008 moderierte sie diese Sendung und 2010 wurde sie als Mitglied der Jury verpflichtet. Trotzdem kann Ines auf eine beachtliche Karriere zurückschauen. Immerhin hat sie eine Vielzahl an Veröffentlichungen auf den Markt gebracht und war Mitglied einer Girlgroup namens Class Act.
2001 gelang Estland schließlich der große Coup. Beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen holten Tanel Padar, Dave Benton und 2XL zum ersten Mal den Sieg für das kleine Land im Baltikum. Dieser Erfolg war eine große Überraschung, weil die Teilnehmer im Vorfeld nicht zu den Favoriten gezählt wurden. Dem flotten R&B-Song „Everybody“ wurden nicht unbedingt die größten Chancen eingeräumt. Deshalb war die Freude über den Sieg umso größer. Der Rocksänger Tanel Padar war damals 20 Jahre jung und hat sich im Laufe der Zeit als Frontmann der Band The Sun zu einem der beliebtesten Musiker des Landes entwickelt. Beim estnischen Musikpreis 2006 gehörten The Sun mit fünf Auszeichnungen zu den Gewinnern des Abends. Sein fast 30 Jahre älterer Duett-Partner Dave Benton stammt ursprünglich aus der Karibik und hatte in Deutschland ein Engagement im Musical City Lights. Er ist hauptsächlich im nordeuropäischen Raum mit seiner Musik erfolgreich. Mit einem Album in seiner Muttersprache „Papiamentu“ vermittelte er seinen Fans einen Einblick in seine karibischen Wurzeln.
Der Sieg von Tanel Padar, Dave Benton und 2XL konnte bis zum heutigen Tag nicht wiederholt werden. Allerdings gab es eine Reihe an weiteren Auftritten von estnischen Künstlern, die den Fans des Eurovision Song Contest in positiver Erinnerung geblieben sind. Beim Heimspiel 2002 in Tallinn belegte Sahlene mit „Runaway“ einen sehr guten 3. Platz. Anhänger der Astrid Lindgren-Verfilmungen kennen die junge Dame vermutlich noch unter dem Namen Anna Sahlin. Die Schwedin gab ihr Debüt 1986 in dem bekannten Film „Wir Kinder aus Bullerbü“. Drei Jahre nach dem Wettbewerb in Tallinn erreichte die Rockband Vanilla Ninja den 8. Rang. Die Mädchen traten jedoch nicht für Estland auf. „Cool Vibes“ war der Beitrag, den die Schweiz ins Rennen schickte. Nach einer längeren Durststrecke setzten die Esten beim Wettbewerb in Düsseldorf 2011 sämtliche Hoffnungen auf Getter Jaani. Sie war 18 Jahre jung und wollte mit einem fröhlichen Titel über die „Rockefeller Street“ den zweiten Sieg für Estland holen. Trotz sehr guter Prognose im Vorfeld landete sie auf einem enttäuschenden 24. Platz. Wenigstens konnte der 6. Rang des Sängers Ott Lepland im nachfolgenden Jahr in Aserbaidschan die Musikliebhaber in seiner Heimat ein wenig trösten.
Riga, Hauptstadt Lettlands, ist nicht nur die größte Stadt des Baltikums, sondern auch das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum von Lettland. Insgesamt zählt Riga rund 727.600 Einwohner. Die nördlichen Bezirke Rigas liegen an der Rigaischen Bucht, die Altstadt dagegen befindet sich am Unterlauf der Düna. Der rund 1 020 Kilometer lange Fluss Düna entspringt in Russland und mündet in die Ostsee. Einst war Riga Hauptstadt der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik, wurde aber 1990 unabhängig.
Im Internet gibt es zahlreiche Informationen unter www.riga.lv, www.latvia.travel, www.liveriga.com, www.riga-facts.de und wikipedia. Folgende Literatur ist zu empfehlen: „Riga“ von MERIAN live!, der Reiseführer „Riga“ von DuMont, „Riga: Die lettische Hauptstadt für Insider“ und „Riga“ von Susanne Dell, mit wertvollen Tipps und acht geschilderten Rundgängen durch die Stadt.
Leider wurden im Zweiten Weltkrieg etliche Bauten zerstört. Die noch vorhanden waren, wurden umfangreich saniert und renoviert. Das hat sich gelohnt. Seit 1997 gehört die gesamte Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Gründe sind die vergleichsweise intakt gebliebene historische Innenstadt, die zahlreichen Jugendstilbauten und die Holzarchitektur, die überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammt. Die meisten Jugendstilbauten befinden sich in der Neustadt, und zwar in den Straßen Alberta iela und Elizabetes iela. Die damals bereits vorhandenen Jugendstilgebäude in Wien, Paris und Budapest haben die die „Rigaer Schule“ stark beeinflusst, später kamen noch finnische Einflüsse hinzu. Die Elizabetes iela weist insgesamt 800 Jugendstil-Gebäude auf. Die Gebäude des gleichen Stils in der Alberta iela wurden von dem Architekten und jüdischen Deutschbalten Michail Eisenstein entworfen, der sich damit der klassizistischen Sankt Petersburger Bauweise widersetzte. Holzhäuser findet man noch im Stadtteil Pardaugava.
Die Altstadt, am rechten Ufer der Düna, konnte sich ihren Festungscharakter bewahren. Zentrum ist der Marktplatz, heute Rathausplatz genannt. Sehenswert sind die schmucken Gildehäuser sowie das Rathaus und das Schwarzhäupterhaus, beide im Stil der niederländischen Renaissance errichtet. Am Rathausplatz befindet sich auch das Okkupationsmuseum, das Zeugnisse der sowjetischen und deutschen Besatzung beherbergt. Rigas Dom wurde im Jahr 1211 gebaut und gilt als größter Kirchenbau des Baltikums. Er bietet 5000 Gläubigen Platz. Ein weiterer Superlativ ist die 1884 fertig gestellte Orgel des Doms, die damals die größte weltweit war. Sitz des lettischen Präsidenten ist das Rigaer Schloss, das außerdem das Janis-Rainis-Museum, das Museum für ausländische Kunst und das Historische Museum beherbergt. Interessierte Besucher können die Altstadt bequem mit dem Audioführer RigaQuest kennen lernen.
Einen Besuch wert ist der Zentralmarkt, ehemalige Zeppelin-Hallen, in denen sich jetzt ein riesiger Lebensmittelmarkt befindet. Im Stadtteil Mežaparks befindet sich ein als Gartenstadt konzipierter Villenvorort, der zusätzlich mit einen Zoo, einem Freizeit- und Vergnügungspark und einer Freilichtbühne interessierte Besucher anlockt. Ein Zeugnis des so genannten Sozialistischen Klassizismus ist der Kultur- und Wissenschaftspalast, der 1958 im stalinistischen Zuckerbäckerstil errichtet wurde. Wer sich ein wenig vom anstrengenden Besichtigungsprogramm erholen möchte, sollte den Basteiberg besuchen. Der Park umgibt fast die gesamte Altstadt und befindet sich nun an Stelle der ehemaligen Stadtbefestigung. Sehenswert sind die 1898 gestalteten Katarakte mit ihren fantasievollen Wasserläufen.
Auch die Umgebung Rigas hat einiges zu bieten. Rund 10 Kilometer südöstlich der Stadt, mit dem Zug gut zu erreichen, liegt Jurmala an einem 32 Kilometer langen Sandstrand. Der Kurort an der Ostsee ist bekannt durch seine Mineralquellen und seinen schwefelhaltigen Heilschlamm. Wer länger bleiben möchte, sollte sich in dem traditionsreichen Kurhaus Baltic Beach Hotel niederlassen, eine stilvolle Unterkunft mit Wellness-Abteilung. Einen Tagesausflug wert ist das 50 Kilometer entfernte Städtchen Sigulda. Der Ort bietet einige Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel eine Burgruine, das Neue Schloss und die mittelalterliche Burg Turaida. Außerdem gilt Sigulda als Ausgangspunkt für erholsame und interessante Wanderungen in den nahen Gauja-Nationalpark mit seinen Wasserfällen, Höhlen und Schluchten.
Schon seit mehr als 200 Jahren dient Jurmala den Einwohnern von Riga vor allem im Sommer als Zufluchtsort. Damals waren es hauptsächlich gesundheitliche Gründe wie die Typhusepidemien zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die die Riganer zur Massenflucht aus der Stadt bewegten. Heute zieht es sie in das größte Seebad des Baltikums, um sich von ihrem hektischen Alltag in der lettischen Hauptstadt zu erholen.
Der Kurort Jurmala liegt am Rigaischen Meerbusen, etwa 25 Kilometer von Riga entfernt. Die Stadt setzt sich aus vierzehn kleineren Ortschaften, deren Hauptort Majori ist, zusammen. Dieser ist mit dem Elektrozug innerhalb von 30 Minuten erreichbar. In den Sommermonaten ist die Fahrt mit dem Ausflugsboot über die Daugava und die Lielupe eine reizvolle Alternative zur Bahn.
Auf Deutsch bedeutet Jurmala “Strand”, und diesen Namen trägt das größte Seebad des Baltikums zu Recht. Sein 32 Kilometer langer, von Dünen und Kiefernwäldern begrenzter, weißer Sandstrand und die kristallklare Ostsee laden vor allem in der warmen Jahreszeit Erholungssuchende aus dem In- und Ausland ein. Doch während Touristen die Stadt hauptsächlich wegen ihrer schönen Holzarchitektur und des “Līvu akvaparks”, eines der größten Wasserparks Europas, besuchen, zieht es die Bewohner Rigas eher an den Strand.
Jurmala bietet Kurlaubern eine große Auswahl an Klimatherapien wie Heilschlamm, Aerotherapie und Sandwannen.
Die Strände von Majori und Jaunķemeri wurden dank ihrer ausgezeichneten Wasserqualität, ihres besonderen Komforts und der Strandsicherheit mit der blauen Flagge prämiert.
Damit in Jurmala jeder auf seine Kosten kommt, gibt es spezielle, abgetrennte Bereiche für Aktivurlauber, Erholungssuchende und FKK-Anhänger. Wer also mehr will als nur am Strand zu relaxen und im kristallklaren Meer zu schwimmen, kann sich erst auf einem der Beachvolleyball- und Fußballplätze austoben und anschließend im relativ salzarmen Ostseewasser abkühlen. Die Benutzung der Sportanlagen ist übrigens kostenfrei.
Für Kinder gibt es mehrere Spielplätze, auf denen sie sich austoben können. Sommerterrassen laden im Sommer zum Verweilen und Relaxen ein.
Riga wird zwar gerne – ebenso wie Vilnius und Tallin – als Perle des Baltikums bezeichnet, doch das gilt wohl hauptsächlich für Reisende, die die Stadt wegen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten besuchen. Im täglichen Leben merkt man nicht allzu viel davon: Stress und Hektik bis hin zur Erschöpfung prägen den Alltag der Riganer. Um sich die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten in der lettischen Hauptstadt überhaupt leisten zu können, üben die meisten von ihnen zwei Jobs aus. Dies geht auf Dauer an die Substanz und lässt sich nur aushalten, wenn zwischendurch die Möglichkeit zum Ausgleich besteht. Daher fahren die Einwohner von Riga an sonnigen Hochsommertagen häufig mit der Bahn nach Jurmala, um am Strand eine Runde Beachvolleyball oder Fußball zu spielen und sich im Anschluss daran mit einem Bad im kühlen Nass zu erfrischen.
Fazit: Riga-Reisende, die die lettische Hauptstadt im Sommer besuchen, und sich mal einen Tag Pause von all der Hektik und dem Trubel gönnen wollen, sollten es den Riganern gleichtun. Nach einem Bummel durch Majoris Fußgängerzone Jomas laden der schneeweiße Strand von Jurmala und das kristallklare Wasser der Ostsee dazu ein, die Seele baumeln zu lassen und sich im kühlen Nass zu erfrischen. Noch besser ist es natürlich, wenn man an den eher anstrengenden Städtetrip noch eine Woche Erholungsurlaub in Jurmala dranhängen kann.
Ventas Rumba ist eine der größten Attraktionen, die es in Lettland zu sehen gibt. Der Wasserfall ist ein Bestandteil des Flusses Venta und befindet sich in Kuldīga, einer Kleinstadt im Westen des Landes. Für Touristen ist die Ortschaft während eines Aufenthaltes in der Hauptstadt Riga mit einem Linienbus erreichbar, der die Passagiere vom Hauptbahnhof Riga nach Kuldīga bringt. Die kürzeste Fahrt für die ca. 160 km lange Strecke dauert zweieinhalb Stunden. Wenn an jeder Haltestelle ein Zwischenstopp geplant ist, müssen die Fahrgäste mit dreieinhalb Stunden rechnen. Der Preis für Hin- und Rückfahrt beträgt etwa 15 €. Der Weg vom Busbahnhof in Kuldīga zum Wasserfall ist sehr gut ausgeschildert. Nach einem Fußmarsch von rund 15 Minuten können die Urlauber einen Blick auf das wunderschöne Naturschauspiel werfen.
Die alte deutsche Bezeichnung des Wasserfalls lautet „Windauer Rummel“. Der Fluss Venta heißt auf Deutsch nämlich „Windau“. Der Wasserfall ist ungefähr 240 m breit und somit der breiteste Wasserfall auf dem europäischen Kontinent. Der Rheinfall hat zwar einen höheren Bekanntheitsgrad, ist allerdings nur 150 m breit. Die Ventas Rumba ist auf der anderen Seite nicht so hoch wie diverse andere Wasserfälle. Ihre Fallhöhe liegt bei 180 bis 220 cm. Das Wasser stürzt über eine Dolomitbarriere in die Tiefe und bereitet den Zuschauern ein ganz besonderes Spektakel.
Die Ventas Rumba ist die wichtigste Attraktion des Ortes Kuldīga und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der historischen Landschaft Kurland. Vor allem in den Sommermonaten fahren Urlauber immer wieder gerne in diese Kleinstadt, um das Spektakel hautnah zu erleben. Im Herbst kann ein Aufenthalt am breitesten Wasserfall Europas auch sehr schön sein. Immerhin besteht in dieser Jahreszeit die Möglichkeit, um ein paar erholsame Stunden in trauter Einsamkeit zu genießen. Während in der Sommerzeit zahlreiche Menschen im Wasserfall baden, ist die Ventas Rumba im Herbst eher ein Platz der Ruhe und Abgeschiedenheit. Touristen können sie entweder auf einer Parkbank am Eingang zur Brücke betrachten oder auf die Brücke laufen, um ein paar schöne Erinnerungsbilder zu schießen. Es gibt einen Weg über eine Treppe und diverse Marmorsteine, der die Besucher direkt zum Wasserfall führt. Die Verbindung zwischen Mensch und Natur ist ein unbeschreibliches Gefühl, das man sich während eines Aufenthaltes in Kuldīga auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Die Stromschnellen der Venta spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte der Stadt. Es gibt Beweise für Ansiedlungen von Jägern und Fischern, die im 2. Jahrtausend v. Chr. dort gelebt haben. Im 17. Jahrhundert ließ der damalige Herzog von Kurland, Jakob Kettler, eine Fangstation einrichten. Es ging ihm um das Fangen von springenden Lachsen. Nachdem ein Erbherzog jedoch bei einer dieser Aktionen ertrunken war, wurde die Fangstation wieder geschlossen.
Der Wasserfall ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit, die es in diesem kleinen Ort zu betrachten gibt. Aus dem Jahr 1248 stammt das frühere Schloss des Deutschen Ordens. Die bereits erwähnte Brücke aus Backstein wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Sie ist 164 m lang und somit die längste Brücke innerhalb Europas, die mit dem Auto befahren werden kann. Ein weiteres Highlight ist die ehemalige Synagoge von Kuldīga. Mit ihrer großzügigen Ausstattung zog sie die Blicke vieler Menschen auf sich. Zu Beginn der 1950er-Jahre erfolgte der Umbau zum Kino, welches einige Jahre nach dem Ende der Sowjetunion in diesen Räumlichkeiten zu finden war. Seit 2011 ist die frühere Synagoge offiziell die Heimat der Stadtbibliothek von Kuldīga. Dort gibt es u. a. eine Sammlung von Büchern, die sich mit historischen Begebenheiten des jüdischen Volkes befassen.